Ölpreisverfall hat drastische Auswirkungen

 Dass Saudi Arabien das erste Mal in seiner jüngeren Geschichte auf Grund des weltweiten Überangebots an Rohöl und des damit verbundenen drastischen Ölpreisverfalls ein Haushaltsdefizit aufzuweisen hat, dürfte hierzulande wohl die wenigsten Menschen interessieren. Auch dürfte dieses wahrscheinlich auch kein Mitleid erregen. Vielmehr sind Millionen von Autofahrer erfreut über die schon fast dauerhaft niedrigen Benzinpreise. Anders sieht dieses aber bei den Mitarbeitern von Mineralölkonzernen aus. Bedingt durch den Preisverfall – so ist der Ölpreis in den vergangenen fünf Monaten um vierzig Prozent auf ca. siebzig US-Dollar pro Barrel gesunken – fangen die ersten Mineralölkonzerne an, über einen Stellenabbau nachzudenken. So plant laut einem Bericht der „Welt am Sonntag“ die in Hamburg ansässige BP-Tochter „BP Europa“ in Deutschland den Abbau von bis zu 800 Arbeitsplätzen. Konkret würde das heißen, dass hiervon dann jeder siebte der ca. 5000 Arbeitsplätze gefährdet ist. Wie auch die Konkurrenz leidet auch BP zurzeit an dem schwierigen Marktumfeld, das mit einem starken Wettbewerb und hohen Überkapazitäten verbunden ist. Laut dem Zeitungsbericht soll ein Sprecher des Konzerns bestätigt haben, dass das BP-Management bereits mit dem Betriebsrat mit einer Streichung von „mehreren Hundert Arbeitsplätzen“ verhandele. Allerdings nannte der Sprecher keine genauen Zahlen. Gleichfall ließ der Sprecher offen, ob und inwieweit betriebsbedingte Kündigungen zu erwarten sind. Insider zufolge soll der Stellenabbau jedoch vor allen Dingen das mittlere Management betreffen.

Auswirkungen auf den Börsenwert

Der Einbruch der Rohölpreise hat bei BP – so wie auch bei den anderen Mineralkonzernen – zu einem drastischen Rückgang der Börsenwerte geführt. So ist der Konzern an der Börse gerade noch 60Milliarden britische Pfund (rund 82 Milliarden Euro) wert. Dieses ist so wenig, so wie seit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahre 2010. Es handelte sich damals um die größte Umweltkatastrophe dieser Art.

Wer ist noch betroffen?

BP betreibt über die Bochumer Tochter Aral AG die größte deutsche Tankstellenkette. Darüber hinaus betreibt der Konzern in den Werken Lingen und Gelsenkirchen das zweitgrößte Raffinerie-System Deutschlands. Es wird befürchtet, dass der Ölpreisverfall auch hier zu personellen Konsequenzen führt.


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